Jetzt machen wir es uns nett

Heute steht ein Arbeitsschritt auf dem Programm, der im „Wiener Nähbuch“ von 1944 als „Nettmachen der Nähte“ bezeichnet wird.

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Beim Zuschneiden habe ich festgestellt, dass mein Wollstoff doch ziemlich stark ausfranst. Damit mich der Fluch der Flusen nicht einholt, werde ich die Schnittteile deshalb schon vor dem eigentlichen Zusammensetzen „nettmachen“, also versäubern. Dazu benutze ich eine Overlock-Maschine, die die Kanten mit einem eingebauten Messer ganz glatt schneidet und mit dann mit einer überwendlichen Naht versäubert.

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Solche Maschinen gab in den 50er Jahren noch nicht – jedenfalls in keinem Privathaushalt. Wer viel Glück hatte, nannte damals eine elektrisch angetriebene Nähmaschine mit Zickzackstich sein Eigen. Die weniger glücklichen mussten mit Omas tonnenschwerer Maschine aus Eisen vorlieb nehmen, die mit dem Fußpedal angetrieben wurde und nur geradeaus nähen konnte. Versäubert wurde der Stoff mit Knopflochstich von Hand, was sehr viel Zeit in Anspruch nahm.

Noch 1966 steht in einem Handbuch für Hobby-Schneiderinnen: „Vielleicht haben Sie von besagter Großmutter noch eine alte Nähmaschine geerbt? Erstaunlich, dass das gute Stück noch immer funktioniert…. Irgendwann wird es Ihnen dann doch zuviel, alles mühsam mit der Hand zu versäubern – und sehr gesund ist das lange Treten mit den Füßen auch nicht gerade… Haben Sie schon einmal ein ganzes Kleid mit feinen Handstichen versäubert? Dann wissen Sie sicher, dass man in der gleichen Zeit fast eine neue Bluse nähen kann.“

Längst waren jedoch in den 1950er Jahren Zickzack- und Nutzstich-Maschinen auf dem Vormarsch und der Wunschtraum aller Hobby-Schneiderinnen.

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Aber zurück zum Versäubern: Jetzt kommt ein Teil meiner Stoffreste vom Zuschneiden zum Einsatz. Ich verwende sie, um an der Overlockmaschine die richtige Stichweite und Fadenspannung einzustellen. Es lohnt sich, hier ein bisschen herumzuprobieren, um die ideale Einstellung zu finden. Umso schöner sehen später die fertigen Nähte von innen aus. Natürlich ist es legitim und absolut stilecht, mit Zickzacknaht zu versäubern. Auf dem Foto rechts kann man beide Varianten nebeneinander vergleichen.

Beim Versäubern sind zuerst die Seiten der Rockteile an der Reihe, danach die Außenkanten der Ärmel und das untere Rückenteil. Achtung: Den Stoff ganz knapp an der Kante nähen, sodass er nur minimal beschnitten wird; dabei nicht dehnen oder ziehen!
Da die
Overlock-Naht ein wenig aufträgt, versäubere ich alle Kanten, an denen Falten oder Abnäher vorgesehen sind, nach dem Einlegen der Falten bzw. nach dem Abnähen. Ich zeige euch das am hier mittleren Rückenteil. Hier sind vier Falten eingezeichnet. Diese hefte ich anhand der Kreidestriche von Hand mit einem farbigen Garn zusammen. Im Schnitt findet sich keine Angabe, in welche Richtung die Falten eingelegt werden sollen. Ich habe mich für die Variante entschieden, bei der die Falten auf der rechten Seite zur Mitte hin liegen.
Nun bügele ich die gehefteten Falten von Links vorsichtig mit dem Dampfbügeleisen flach und fixiere sie mit ein paar Stecknadeln.

Jetzt kann das Teil rundherum versäubert werden, wobei die Falten automatisch zusammengefasst sind. Die Heftfäden lasse ich vorläufig noch an ihrem Platz.
Mit der Overlock kann man übrigens nicht um die Ecke nähen, das heißt, jede einzelne Kante wird neu angesetzt. Die „Räupchen“ aus Faden an den Enden kann man danach einfach abscheiden.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, entsteht beim Nähen mit der Overlock durch die abgeschnittenen Kanten viel Dreck. Am besten, ihr stellt euch gleich einen Mülleimer neben den Arbeitsplatz, sonst hängen Fäden und Flusen beim nächsten Luftzug auf dem Teppich.

Die Ärmelbündchen brauchen nicht „nett gemacht“ werden, weil die Kanten komplett verstürzt werden. Das gilt auch für die Halsausschnitte und die vorderen Kanten des Oberteils und des Vorderteilbelegs.

Aber es gibt immer noch genug zu tun. Nach dem Versäubern alle Teile noch einmal vorsichtig und mit Dampf bügeln und auskühlen lassen.

Beim nächsten Mal werde ich noch ein wenig mehr zum Thema „Bügeln“ erzählen, außerdem stehen die ersten „richtigen“ Nähte auf dem Programm.

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Zur Sache, Schätzchen!

Heute können wir endlich mit der Schere zur Tat schreiten! Die Schulferien sind vorbei, die Familie ist ausgeflogen, und für ein paar Stunden habe ich den großen Esstisch zum Zuschneiden zur Verfügung.

Aus gegebenen Anlass habe ich mir eine neue Schere gegönnt, die nur für Stoff verwendet werden darf. (Für Papier taugt ein einfacheres Modell). Außerdem habe ich Schneiderkreide in verschiedenen Farben besorgt. Und zwar solche, die man als Mine in einen Stift einlegen kann. Sehr praktisch! Heute benutze ich den Klassiker in Weiß.

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Der große Tisch wird nun mit einem Laken geschützt und dann der gebügelte Stoff im Bruch gefaltet (Webekante auf Webekante) aufgelegt. Nadeln, Gewichte und Schneiderkreide liegen bereit.

Auf den mittig gefalteten Stoff werden nun das obere Vorder- und Rückenteil, Ärmel, Ärmelbündchen (2 x, da wir insgesamt 4 Teile benötigen) und Beleg (für das Vorderteil) aufgelegt. Wichtig ist, dass die Teile in der richtigen Position liegen. Beim Vorderteil und beim Ärmel ist im Schnitt der Fadenlauf mit einem Pfeil eingezeichnet. Der muss parallel zur Webekante verlaufen. Ich prüfe dies mit dem Lineal nach (Abstand der Linie zur Webekante muss gleich bleiben), da hier das Augenmaß oft trügt.

Bei der Puzzle-Arbeit und beim Ausschneiden leisten wieder die Gewichte gute Dienste. Zusätzlich werden die Teile, wenn sie an der richtigen Position sind, mit Nadeln aufgesteckt.

Zwischendrin habe ich eine freie Stelle erspäht, bei der ich prima noch Schrägstreifen (genau 45 Grad zur Webekante) unterbringen kann. Die werden später für den Ärmelschlitz benötigt. Ich zeichne sie mit Lineal und Kreide direkt auf den Stoff.
Beim Ausschneiden gebe ich an allen Kanten rundum ca. 1,5 cm zu. Der Rocksaum erhält 4 cm Zugabe. Ein paar größere Schnipsel vom Stoffabfall hebe ich auf. Wozu ich sie brauche, werdet ihr später erfahren.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Markierungen für Falten, Abnäher etc. vom Papierschnitt auf den Stoff zu übertragen. Bei wolligen und flauschigen Stoffen bleibt einem oft nichts anderes übrig, als die sehr aufwändige Methode des „Durchschlagens“ mit Nähfäden anzuwenden.
Da mein Stoff aber recht glatt und gut waschbar ist, kann ich die Markierungen mit dem Kreidestift einzeichnen. (Auf hellen Baumwollstoffen klappt es übrigens auch mit einem weichen Bleistift. Wenn ihr nicht sicher seid, macht an einem Stoffrest eine Waschprobe). Die Schneiderkreide lässt sich später ganz leicht ausbürsten.
Wie ich die Markierungen übertrage, zeige ich hier am Rückenteil, das unten seitliche Fältchen hat. Nachdem ich die Konturen rundherum mit Nahtzugabe (1,5 cm) ausgeschnitten habe, schneide ich je eine Linie der Markierung am Papierschitt (
nicht mit der Stoffschere) ein und falte sie an der anderen Linie präzise zur Seite. Nun kann ich die Markierung sauber mit Lineal und Schneiderkreide übertragen. An der unteren Kante knipse ich die Linienenden ganz leicht ein (nur ein Paar Millimeter auf der Nahtzugabe). Zur Sicherheit kann man auch die oberen Spitzen der Abnäher mit je einer Stecknadel für die andere Seite markieren. Nun entferne ich die Nadeln, drehe das Teil um, lege den Papierschnitt wieder auf und zeichne die Abnäher auf der anderen Seite. Hierbei helfen die eingeknipsten Stellen, die richtige Position zu finden.

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Wie bei allen anderen Näharbeiten gilt: Sorgfalt zahlt sich aus. Wenn ihr genervt seid oder die Geduld verliert, legt lieber eine Pause ein! Kocht euch einen Kaffee oder macht einen kurzen Spaziergang. Denn wenn hinterher alles schief ist, habt ihr an dem Kleid keine Freude. Oder ihr braucht Stunden, um alles wieder aufzutrennen und von vorne anzufangen. Und dann macht es auch keinen Spaß mehr.

Nachdem alle Schnitt-Teile für den Oberkörper festgesteckt, ausgeschnitten und markiert wurden (was knapp 2 Stunden gedauert hat) habe ich mir jedenfalls eine Unterbrechung und einen Milchkaffee mit extra viel Schaum gegönnt.

Nun kommt der Rock an die Reihe. Beide Rockteile werden im Stoffbruch zugeschnitten. Weil das hintere Teil wegen der Kellerfalten etwas breiter ist als das vordere ist, falte ich den Stoff dazu an zwei Kanten in die Mitte.
Auch hier werden Falten und Abnäher mit Schneiderkreide markiert.

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Spätestens jetzt dürfe jedem aufgefallen sein, dass unser figurnahes Modell von 1956 auf der Rückseite keinen Verschluss hat. Wie soll Frau da nur hineinkommen? Der große Knopf vorne dürfte wohl eher dekorative Funktion haben. In der Anweisung steht: „Evtl. in der linken Seite zusätzlich Reißverschluss einnähen.“ Da ich kein Schlangenmensch bin (und auch kein Formwandler) wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Aber das hat noch viel Zeit…

Als letzten Arbeitsgang für heute schneide ich die Schnittteile für den Kragenbeleg und für die Ärmelbündchen aus einer weichen Bügeleinlage aus.

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Wenn alle Teile zusammengelegt sind und der Tisch wieder frei ist, haben wir schon eine ganze Menge geschafft. Als Nächstes ist das Versäubern an der Reihe. Die Österreicher verwenden dazu den viel schöneren Begriff „Nettmachen“. Und das ist beim nächsten Mal (und zwar schon übermorgen) an der Reihe.

Mit Schere, Nadel, Nähmaschine

Gute Vorbereitung zahlt sich aus beim Nähen. Und deshalb habe ich mich auch noch nicht auf das Zuschneiden gestürzt.

Zu den Top Ten der Fehler, die jede Hobby-Schneiderin vermeiden sollte (aber irgendwann trotzdem macht) gehört es nämlich, den Stoff vor dem Zuschneiden nicht zu waschen oder anderweitig vorzubereiten. Denn bei aller Liebe: Ein bisschen Schwund ist immer, und es ist doch sehr ärgerlich, wenn das mit viel Liebe und Mühe genähte Stück schon nach der ersten Wäsche oder Reinigung nicht mehr passt. Deshalb hat mein Stoff inzwischen eine Runde im Wollwaschgang der Maschine gedreht. Anschließend habe ich ihn fast trocken werden lassen und mit Sorgfalt und Volldampf gebügelt.

Ein wunderschönes Nähbüchlein möchte ich Euch an dieser Stelle vorstellen: Ilse Bening: Mit Schere, Nadel, Nähmaschine. Das Nähbüchlein für junge Mädchen.

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Es stammt – wie mein künftiges Kleid – aus dem Jahr 1956 (man beachte den Blumenhocker mit Gummibaum) und ist zauberhaft illustriert. Mit den Anleitungen aus dem Büchlein lassen sich auch heute viele schwierige Klippen beim Nähen umschiffen. Deshalb werde ich hin und wieder daraus zitieren.

Zum Beispiel steht dort: „“Spare nicht bei der Wahl des Knopfes; er bestimmt sehr maßgebend die Wirkung eines Kleides.“
Ich brauche für das Kleid nur einen Knopf, aber es soll ein besonders großes und schönes Exemplar sein. Eine Vorauswahl aus meiner Knopfkiste habe ich getroffen, welchen Knopf ich tatsächlich verwende, entscheide ich nach dem Zuschneiden.

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Das ist der nächste Schritt, und dazu brauchen wir:

  • Schnittmusterteile aus Papier (noch einmal prüfen, ob alle Linien, Abnäher und Passzeichen eingezeichnet sind !)
  • den vorbereiteten Stoff
  • Schneiderkreide
  • Lineal
  • Gewichte (sofern vorhanden)
  • Stecknadeln
  • eine große scharfe Schere
    eine kleine scharfe Schere

Und wir brauchen Geduld, Zeit und Mut. Ilse Bening empfiehlt: „Lege dich früh schlafen, damit du morgen gut ausgeruht und wohlgestimmt an die Arbeit gehen kannst.“

Wir pausen ab und machen Pause

Während die abgepausten Schnittteile nun sorgfältig ausgeschnitten werden, möchte ich Euch etwas über die modische Silhouette des von mir gewählten Kleides erzählen.

Wenn von Mode der 1950er Jahre die Rede ist, denken die meisten sofort an weite, schwingende Kleider mit wippenden Petticoats. Der heute als Rockabilly beliebte Stil ist aber nur eine Facette der damaligen Mode. Neben den Kleidern mit extrem weiten Röcken, die Christian Dior mit seinem „New Look“ in Mode gebracht hatte, gab es aber auch schmale, ganz auf Figur geschnittene Modelle für die Dame. Das Pendant zum Tellerrock, der eng geschnittene „Beistiftrock“ beherrschte sogar die Alltagsmode.

Dass diese schmale Linie so beliebt war, hatte mehrere Gründe. Einer davon war ein ganz praktischer: Für die Modelle wurde nur wenig Stoff benötigt. Guter Stoff war in der Nachkriegszeit teuer. Noch bis weit in die 50er Jahre musste in den meisten Haushalten gespart und umgenutzt werden.
Meine Großmutter (Jahrgang 1920) war Schneidergesellin, und viele Damenkostüme hat sie als junge Frau aus Herrenanzügen (von ihrem im Krieg gefallenen Schwager) umgearbeitet. Aus dem Sakko wurde eine Kostümjacke, und die Beine der weit geschnittenen Hose aus Wollstoff gaben aufgetrennt gerade so viel Stoff her, um daraus einen schmalen Rock zu zaubern.
Natürlich hat sie sich bei der Putzmacherin immer einen passenden Hut zum Kostüm anfertigen lassen.

Auch in Schnittmusterheften der frühen 50er Jahre ist Sparsamkeit beim Stoff ein wichtiges Thema. Hier eine Abbildung aus dem Heft „Der neue Schnitt“ von 1950.

Ich habe glücklicherweise genug Stoff gekauft (3 m, 150 cm breit), aber für den Zuschnitt muss er noch vorbereitet werden. Und davon erzähle ich dann im nächsten Beitrag.

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Schnittmuster – vom Wirrwarr der Linien

„Stimme der Frau“ (ab 1957 „Für Sie“) war keine reines Schnittmusterheft. Der Schnittbogen ist eine Beilage mit 7 Modellen pro Seite und ein paar Strickanleitungen.
Für mein Projekt ist das von Vorteil, denn die Schnittmusterbögen der reinen Nähzeitschriften waren damals extrem schwierig zu entziffern. Ich zeige Euch hier mal ein Beispiel aus einem Heft von „Der neue Schnitt“:

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Was sich hier neben dem Wirrwarr einzelner Linien erkennen lässt, ist auch die Tatsache, dass die damaligen Größen nach anderen Maßen berechnet waren. Eine Größe 42 von damals entspricht heute Gr. 38. Ich trage aktuell Gr. 38 oder 40; hier muss ich ein Modell in Größe 44 wählen, wenn es passen soll. Zum Glück hat das von mir gewählte Kleid diese Größe. Und der Schnittbogen von „Stimme der Frau“ sieht auch gleich sehr viel übersichtlicher aus:

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Nach einer ausführlichen Anleitung sucht Frau vergeblich, immerhin gibt es eine kurze Anweisung und einen Überblick über die Schnittteile auf demBogen:

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Meine Oma pflegte die sparsamste Methode beim Kopieren der Schnittmuster: Der Bogen wurde auf dem Tisch über eine Wolldecke gelegt, dazwischen kam ein aufgefalteter Bogen Zeitungspapier. Mit einem gezackten Rädchen fuhr sie die Linien nach, um sie auf den Stoff zu übertragen.

Nachteile dieser Methode: 1.) Die Zeitungsteile müssen nachträglich beschriftet werden 2.) Nach dem Ausrädeln eines einzelnen Schnittmusters ist der Bogen perforiert und geht sehr schnell kaputt.

Ich verwende deshalb lieber stabiles Transparentpapier (Backpapier geht auch sehr gut) und einen weichen Bleistift für die Übertragung. Damit der Bogen glatt liegt und sich nichts verschiebt, beschwere ich ihn mit ein paar Gewichten. Die haben den Vorteil, dann man keine Löcher in die Bögen pieksen muss. Türstopper aus Metall oder dicke Unterlegscheiben aus dem Baumarkt funktionieren auch.
Ein Schneiderlineal leistet gute Dienste bei der Übertragung und Verlängerung von geraden Linien.
Ganze 7 Teile müssen auf dem Bogen ausfindig gemacht und abgepaust werden. Los geht’s….

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Mein neues Kleid von 1956

Mode und Alltagskleidung einer anderen Epoche am eigenen Leib zu tragen, ist eine ganz besondere Erfahrung. Es ist nicht nur der Blick in den Spiegel, der nostalgische oder auch weniger nostalgische Gefühle weckt. Ganz entscheidend ist auch die Art, wie sich die Kleidung anfühlt und wie sie sich auf Haltung und Bewegung auswirkt.

In einem weiten Tanzkleid drehen wir uns sofort; ein enges Mieder zwingt zum aufrechten Sitzen, während wir uns mit Jeans und Stiefeln völlig anders bewegen.

Ich mag es, hin und wieder in Mode aus einem anderen Jahrzehnt zu schlüpfen. Und es macht mir besonders große Freude, diese Kleidung selbst zu nähen. Zum Teil sitze ich aus dem gleichen Grund an der Nähmaschine, den viele Frauen damals auch hatten: Ich kann die gewünschten Kleider nicht fertig kaufen, weil es sie nicht gibt oder weil sie zu teuer sind.

Viel wichtiger ist aber die Freude, die mir das Nähen bereitet. Um von dieser Freude etwas zu teilen und Euch zu eigenen Taten anzuregen, werde ich in den nächsten Tagen und Wochen ein Kleid nach einem Original-Schnittmuster von 1956 nähen. Die einzelnen Schritte werde ich hier vorstellen und bei der Gelegenheit auch ein wenig über die Mode der 50er Jahre aus dem Nähkästchen plaudern.Hier ist mein neues „Lieblingskleid“. Es ist das Titelmodell der Zeitschrift „Stimme der Frau. Frau und Heim“ vom Herbst 1956, also ziemlich genau vor 60 Jahren.

Den Stoff, einen hellgrauen Wollflanell, habe ich bei ebay ersteigert. Er ist noch nicht eingetroffen, es bleibt also noch viel Zeit für die Vorbereitung.
Wir brauchen fürs Erste (außer dem Heft): Schnittmusterpapier (am besten die etwas festere Sorte), Bleistift, Lineal, Schere, gutes Licht und einen großen Tisch. Notfalls geht auch der Fußboden, aber für Knie und Rücken ist das mitunter recht anstrengend.
Soweit für heute das Vorgeplänkel; im nächsten Beitrag schreiten wir zur Tat.

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