Duftklassiker aus 99 Jahren – „Maja“

Kennen Sie ein klassisches Parfüm, das schon zu Zeiten Ihrer Großmutter beliebt war? „Na klar: Chanel No. 5“, werden Sie sagen, und für den Hausgebrauch „Tosca“.
Sie liegen natürlich richtig: Beide Düfte gibt es seit 1921. Sie gehören zu den ersten „Fantasieparfümen“, also Düften, die nicht nach bestimmten Blumen rochen, sondern mit Hilfe chemisch konstruierter Duftbausteine – so genannter Aldehyde – komponiert und produziert wurden. Was das Image betrifft, könnten die Unterschiede aber nicht größer sein: Chanel No. 5 ist nach wie vor ein teuer Luxusduft. Marylin Monroe hat ihn angeblich statt eines Nachthemds getragen. Tosca hält sich dagegen ausdauernd in der Bückzone des Drogerieregals, und der Duft erinnert die meisten eher an Oma, Mutter, Patentante oder an die Werbekampagne mit Uschi Glas. Über die Qualität der beiden Düfte möchte ich an dieser Stelle nicht steiten, nur soviel sei gesagt: Wer Tosca als billiges alte-Damen-Parfüm abqualifiziert, tut dem Parfüm selbst bitter unrecht. Und das wissen anscheinend auch sehr Viele, sonst würde Tosca nicht seit über 90 Jahren verkauft werden.
Die meisten Düfte aus dem Jahr 1921 kennt heute niemand mehr; auf der Seite „parfumo.de“ sind für dieses Erscheinungsjahr immerhin 83 Düfte dokumentiert; bis auf eine Handvoll sind sie heute vergessen und werden nicht mehr hergestellt.
Heute ist die „Auslese“ jedoch noch
viel drastischer: Jedes Jahr kommen rund 3.000 neue Düfte auf den Markt, davon erreichen höchstens 15 die Top 5, und die meisten sind nach spätestens 5 Jahren wieder von der Bildfläche verschwunden.Umso erstaunlicher ist es daher, dass manche Kompositionen die Jahrzehnte überdauert haben. Sei es als Luxusartikel eines edlen Modelabels oder als Bückware im untersten Regal der Drogerie.

In diesem Blog möchte ich ein paar „unterschätzte Klassiker“ aus den letzten 99 Jahren vorstellen. Sie sind nicht so bekannt und teuer wie manche anderen Düfte. Aber sie sind ebenfalls klassische Schönheiten und haben seit Jahrzehnten ihre treuen Liebhaberinnen und Liebhaber. Vielleicht gehören Sie auch irgendwann dazu?

 

Maja

Der älteste Duft, von dem hier die Rede sein soll, ist „Maja“ von Myrugia. Vielleicht ist er Ihnen schon als hübsch verpackte Seife im Dreierpack in der Drogerie über den Weg gelaufen? Ihr Duft ist so intensiv, dass es genügt, an der geschlossenen Verpackung zu schnuppern. Nicht zu Unrecht wird von der Seife Maja behauptet, sie wandele, in den Kleiderschrank gelegt, jedes Spannplattengehäuse in einen Edelholzschrank um. Das Parfüm „Maja“ ist hierzulande in Drogerien und Kaufhäusern eher selten anzutreffen, aber im Internet wird man schnell fündig.
„Maja“ (man spricht es „Macha“ aus) stammt aus dem Jahr 1918. Der Name und das Gesicht auf der Packung war inspiriert durch die Tänzerin Carmen Tórtola Valencia. Ihr Bildnis schmückte alle Flakons und Kartonagen aller Maja-Produkte. Bis heute ist ihre Silhouette mit einem Fächer auf der Verpackung von „Maja“ zu sehen. Die Marke „Maja“ wurde 2012 nach Mexiko verkauft, wo der Duft bis heute produziert wird.
Ramón Monegal war ein wohlhabender Chemieindustrieller aus Barcelona und Inhaber der Firma Monegal für Drogerieartikel. Er produzierte Waschmittel, Seifen und Parfums, aber auch so profane Artikel wie Farben und Lacke. Im Jahr 1916 gründete er das Unternehmen Myrurgia, das sich ausschließlich mit der Kreation und dem Vertrieb von schönen Düften beschäftigen sollte. Zu dieser Zeit steckte die Parfumbranche in Spanien noch in den Kinderschuhen. Als einzige ernstzunehmende Konkurrenz war die 1898 in Madrid gegründete Perfumeria Alvarez-Gómez auf dem Markt, eine Firma, die bis zum heutigen Tag besteht.
Da Eau de Colognes gerade groß in Mode waren, startete Myrurgia mit einem entsprechenden Duftwässerchen, es trug den nicht gerade einfallsreichen Namen „Colonia 1916“.

1917 übernahm Ramón Monegals Sohn, Esteve Monegal Prat, die Firma Myrurgia. Besagter Esteve Monegal war eine Künstlernatur. Als Bildhauer schuf er beeindruckende Skulpturen, darüber hinaus war er Lehrer und mit vielen zeitgenössischen Künstlern befreundet. Unter der Leitung des Zweiergepanns Rámon Monegal als Präsident und Esteve Monegal als „Gesicht des Unternehmens“ wuchs Myrurgia zu einem der größten Parfumhäuser Spaniens heran. Rámon Monegal leitete das Unternehmen bis in die späten 40er Jahre, bevor es endgültig an seinen Sohn Esteve überging. Nach „Colonia 1916“ folgten ab 1917 weitere erfolgreiche Düfte. 1918 schließlich kam der bekannteste und erfolgreichste Duft von Myrurgia auf den Markt – „Maja“. Aus markenrechtlichen Gründen – es gab damals in der Schweiz bereits einen Duft mit dem Namen „Maja“ – wurde „Maja“ außerhalb Spaniens über einen längeren Zeitraum unter dem Namen „Goyesca“ verkauft.

Im Laufe der Jahre hat Myrurgia viele Lizenzverträge geschlossen und Düfte in Lizenz produziert, z.B. für Julio Iglesias. 2001 verkaufte Ramón Monegals älterer Bruder – seines Zeichens Bankier – Myrurgia an Puig; 2008 schließlich wurde die Produktion der Myrurgia-Düfte eingestellt; und die Marke „Maja“ wurde 2012 nach Mexiko verkauft, wor der Duft bis heute produziert wird..

Langer Rede, kurzer Sinn: Ihr wollt bestimmt wissen, wie Maja riecht: Ich habe das Eau de Toilette erworben, 100 ml kosten ca. 20 Euro.
Maja ist im weitesten Sinne ein orientalisches Parfum. Die Duftnoten sind Muskat, Nelke, Patschuli, Gewürznelken, Vetiver, Rose, Geranie, Zitrusfrüchte und Lavendel.
Während bei der Seife die Gewürznote dominiert, hat das Eau de Parfum eine blumig-fruchtige Note, die über den gesamten Duftverlauf auf der Haut bleibt. Dabei mischen sich die Blumen- und Früchte so perfekt, dass keine einzelne heraus sticht. Auch die Gewürze erscheinen in dieser Art miteinander verwoben. Der Duft selbst ist gut haltbar, der Duftschweif bleibt aber moderat. Maja ist kein ein lauter, spektakulärer Duft. Und obwohl er oder sie als Damenparfum klassifiziert ist, würde ich persönlich keine Grenze zur Herrenabteilung ziehen. Schon gar nicht bei der Seife, die durchaus auch als männlich-herb durchgehen könnte.
Also: Beim nächsten Drogeriebesuch mal bei den Seifen vorbeischauen….

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