Vertauschte Männer, verwechselte Geschenke – „Femme“ von Rochas (1)


Fast jeder kennt den Roman „Rebecca“ von Daphne du Maurier oder eine seiner zahlreichen Verfilmungen. Nicht ganz so bekannt, aber mindestens genauso gut ist ihr Roman „The Scapegoat“ – Der Sündenbock – der 1957 erschien und 1959 und 2012 verfilmt wurde.
The Scapegoat spielt in der Zeit seiner Entstehung und erzählt die Geschichte eines Rollentauschs. John, ein alleinstehender englischer Lehrer, trifft auf einer Reise in einem Landgasthof auf den französischen Grafen Jean, der ihm wie ein Zwillingsbruder ähnelt. Jean ist verheiratet und hat eine große Familie, die er allerdings am liebsten loswerden würde. Am Morgen ihrer Begegnung wacht John im Hotel mit Jeans Kleidern und Gepäck auf, Jean hat sich mit seinen Habseligkeiten aus dem Staub gemacht. Nachdem John vergeblich versucht hat, den Irrtum aufzuklären, schickt er sich in die Situation und übernimmt die Rolle des Grafen.
Unbegreiflicherweise scheint außer dem Hund niemand etwas von der Täuschung zu bemerken, auch wenn John mit einer Reihe verwirrender Situationen konfrontiert ist. In Bedrängnis gerät er jedoch durch die Verwechslung der Geschenke an seine Familie, wobei ein Parfüm eine wichtige Rolle spielt. Im Gepäck von Jean befinden sich nämlich mehrere Pakete, die jeweils mit Anfangsbuchstaben gekennzeichnet sind. Beim Präsent für die Ehefrau Francoise – ein Medaillon mit seinem Bildnis – trifft John ins Schwarze. In seiner Begeisterung beschließt er, die anderen Pakete im Beisein der ganzen Familie am Frühstückstisch auszupacken. Peinlich wird es, als sich das Geschenk für seinen Bruder als Potenzmittel entpuppt; auch das sexy Nachthemd für die Schwägerin ist offensichtlich nicht für die Augen der Anderen bestimmt. In das allergrößte Fettnäpfchen tritt John jedoch, als er seiner Schwester Blanche, einer frommen, verhärmten Jungfer, das mit B gekennzeichnete Paket übergibt. Am selben Abend berichtet ihm seine Tochter Marie=Noël : „Weißt du, Papa, (…) mit dem Geschenk für Tante Blanche hast du dich geirrt. Sie hat es nicht auspacken wollen, und so haben Maman und ich das für sie getan, und drin war ein Zettel: „Für meine schöne Béla, von Jean“, gar nichts von Blanche, und es war eine riesige Flasche Parfüm darin, Femme heißt es, in einer reizenden Schachtel, ganz aus Cellophan, und auch der Preis war noch daran – zehntausend Francs.“
Sichtlich gekränkt komplimentiert Francoise John aus dem gemeinsamen Schlafzimmer. Im Ankleideraum steht nun ein Feldbett mit Kissen und Decke, und auf der Kommode prangt einsam und unberührt die Parfümflasche mit dem leuchtenden Etikett Femme. Schon wenig später leistet John sich den nächsten Fauxpas und erfährt dabei, für wen das Parfüm bestimmt war. Als Marie=Noël versehentlich zwei Porzellanfiguren zerbrochen hat, die Francoise am Herzen liegen, will er die Figuren heimlich kitten lassen, und packt die Bruchstücke in die leere Parfümverpackung. In der Stadt schickt er Marie=Noël mit dem Paket in den Antiquitätenladen, während er selbst noch Bankgeschäfte tätigt. Als er später in das Geschäft kommt, ist das Kind längst weg, stattdessen empfängt ihn eine blonde Frau mit den Worten: „Warum um Himmes Willen, hast du die zerbrochenen Figuren in Cellophan und Papier gewickelt und eine Karte für mich beigelegt?“ Noch am gleichen Nachmittag landet John in Bélas kuscheligem Bett und erfährt bei dem Schäferstündchen, warum sein Doppelgänger seiner Geliebten stets Femme mitbringt:
„Weil er den Geruch gern hat und ich auch“
„Bedeutet das, der Gier dienen?“
„Das hängt von der Größe der Flasche ab.“
„Es ist eine sehr große Flasche.“
„Dann nenne ich es Voraussicht.“
John ist sich nicht sicher, ob er den Geruch von Femme kennt. „Parfümierten Frauen ging ich aus dem Weg; sie waren mir zuwieder. Doch diese Frau war nicht parfümiert, sie duftete nach Aprikosen.“
Möglicherweise irrte John, und der Aprikosenduft hatte durchaus mit Femme zu tun.
Mehr über die Geschichte von Femme, die fast ebenso spannend wie der Roman von Daphne Maurier, erfahrt ihr im nächsten Blog-Beitrag…..

scapegoat1https://landofblogging.files.wordpress.com/2013/04/the-scapegoatpic.jpg?w=173&h=254

Advertisements